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Saatengrün,Veilchenduft, Lerchenwirbel, Amselschlag, Sonnenregen,
linde Luft! Wenn ich solche Worte singe, braucht es dann noch große Dinge dich zu preisen, Frühlingstag.

    Ludwig Uhland


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Johann Wolfgang von Goethe




























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Spoykanal






Wenn der holde Frühling lenzt
eine Frau Und man sich mit Veilchen kränzt,
Wenn man sich mit festem Mut
Schnittlauch in das Rührei tut,
Kreisen durch des Menschen Säfte
Neue ungeahnte Kräfte -
Jegliche Verstopfung weicht,
Alle Herzen werden leicht,
Und das meine fragt sich still:
"Ob mich dies Jahr einer will?"
    von Frederike Kempner, einer 1836 geborenen selfmade-Lyrikerin aus Schlesien.

Metaphysisches – E. Roth

Ein Mensch erträumt, was er wohl täte,
wenn wieder er die Welt beträte.
Dürft er zum zweiten Male leben,
wie wollt er nach dem Guten streben
und streng vermeiden alles Schlimme!
Da ruft ihm zu die innre Stimme:
„Hör auf mit solchem Blödsinn, ja?!
Du bist zum zwölften Mal schon da!“

(Na, lieber, liebe -----, wie oft warst Du schon da?)

   zugesandt von H.Jakobi

Vom     Eise     befreit
- Faust - erster Teil -
Johann Wolfgang von Goethe


Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorten sendet er, fliehend nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes:
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt's im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern;
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbebanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! Wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit' und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein."

Du bist Du
Vergiss es nie: dass du lebst, war keine eigene Idee,
und dass du atmest kein Entschluss von dir.

Vergiss es nie: Dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt
und solche Augen hast nur du allein.

Vergiss es nie: Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du
und niemand lächelt so wie du's gerade tust.

Vergiss es nie: Dass du lebst war eines Anderen Idee
und dass du atmest, ein Geschenk an dich.

Vergiss es nie: Du bist reich egal ob mit, ob ohne Geld,
denn du kannst leben! Niemand lebt wie du.

Vergiss es nie: Niemand sieht den Himmel ganz genau wie du
und niemand hat je was du weißt gewusst.

Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur.
Ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur.
Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.

Du bist du, ja du bist du
   dt. Text : Jürgen Werth, Rechte: Pila Music GmbH
   aus: Bausteine Altenarbeit, Die Welt der Zahlen * 3/2002


Jungbrunnen
Zum alten Vater sagt der Sohn: "Bei uns kannst Du frei walten,
doch Deiner Enkel wegen schon, mußt Du hier Ordnung halten.

Auf jedem Stuhl: ein Stück von Dir, ein Strumpf, Dein Schlips, die Weste,
hier steht ein Schuh, da leeres Bier, dort krümeln Tabak-Reste."

Der Alte hört die Tadelung mit heiterem Behagen,
denn plötzlich fühlt er sich so jung wie in den frühen Tagen.

Mit kurzer Hose sieht er sich in Kindheits-Analogen,
wo sie ihm streng und ordentlich die Ordnung anerzogen.

Als Kind zum Kotzen drin bestärkt, daß er sie halten sollte,
hat er sich damals schon gemerkt, was er vergessen wollte.

    aus Bertram Otto * Ausgeschlafen * Muntermachern für junge Alte

Über den eigenen Kirchturm hinaus:
Der Rhein war ihr Tod
Auf den Spuren von Johanna Sebus, die ihr Leben für andere opferte Von KATJA PELZER
Düster graue Wolkenherden galoppieren am Himmel entlang. Der Wind fegt den Damm in Rindern-Wardhausen im Kreis Kleve. Ungemütlich ist es, sehr ungemütlich. Absolut harmlos jedoch, verglichen mit dem 13. Januar 1809.
Der Winter jenes Jahres hatte viel Schnee gebracht. Und Eis überzog alles Wasser. So hart war es, dass selbst schwerste Wagen darüber fahren konnten. Anfang Januar dann, setzte plötzlich Tauwetter ein. Das war ein ohrenbetäubendes Knirschen und Knarzen, als sich die eisige Decke in Bewegung setzte und mächtig gegen die Deiche drückte. Die Schollen und Blöcke wurden noch von den Wassermassen bestärkt. Denn auch in den Bergen hatte die Schneeschmelze eingesetzt. In und um Kleve hieß es Land unter.
Johanna Sebus war damals gerade 17 Jahre alt. Mutig rettete sie ihre Mutter, Helene van Bentum, eine Dienstmagd, aus den Fluten. Rasch trug sie die vom Schrecken gelähmte Frau auf einen schützenden Hügel. Doch damit ließ sie es nicht bewenden. Sich selbst vergessend, wollte sie noch eine Nachbarin mit zwei Kindern retten. Deichgräf Reymer warnte: Hannchen, es ist zu gefährlich!"

"Hannchen es ist zu gefährlich!"
Doch sie antwortete gelassen, Reymer, um Menschenleben zu retten, lässt sich schon etwas wagen." Unter ihren Füßen brach der Deich. Auch ihre zum Himmel gefalteten Hände konnten sie nicht mehr retten. Sie versank und ertrank. So steht's in den Annalen.
Ich begebe mich auf die Suche, nach den Spuren von Johanna Sebus. Ein ergrautes Paar spaziert an der Schleuse die Johanna Sebus Straße entlang. Sie kommen aus Kamp-Lintfort, machen Urlaub in Düffelward. Wollen ins Restaurant „Zum Sebusdenkmal". Wer war Johanna Sebus, ob sie es noch wissen? Die Frau schüttelt freundlich nachdenklich den Kopf. Der Mann stutzt und sagt: „Wir haben etwas über sie in der Schule gelernt." Aber was? Es ist zu lange her.
Um die Kurve, hinter einem schönen schmiedeeisernen Tor, steht ein schlichtes Denkmal. Etwas versteckt, geschützt von hohen Pappeln. Beklommen ist mir. Es liegt eine bedrückende Ahnung von Friedhof in der Luft. Unendlich still, kein Mensch zu sehen. Etwas Seelenhaftes schwebt über allem.
Kein geringerer als Kaiser Napoleon hat den über drei Meter hohen Sandstein mit der Rundbank 1811 gestiftet. Entworfen hat ihn Dominique-Vivant Denon. Die Gegend war einst französisches Herrschaftsgebiet. In einem runden Marmormedaillon treibt eine weiße Rose auf dem Wasser. Ein Sternenkranz der Unendlichkeit fasst das Bild ein. Nach französischem Brauch wurde jedes Jahr eine junge Frau ausgezeichnet, die durch besonders tugendhafte Eigenschaften auffiel. Sie wurde geehrt, erhielt eine Rose mit goldenen Blättern, einen goldenen Ring und eine Aussteuer. Doch Johanna Sebus hat ihre noble Art nicht überlebt. Daher das Monument. Das Haus ihrer Mutter wurde zudem auf Kosten der Regierung wieder errichtet.
Zurück zum Restaurant begegnen mir die Kamp-Lintforter. „Ich habe mir noch mal ein paar Gedanken gemacht", sagt der Mann. „War Johanna Sebus nicht eine junge Frau, die Menschen bei Hochwasser gerettet hat?" Na also, wer sagt's denn? „Da wird die Kindheit wieder wach. Das hat uns damals sehr ergriffen." Kann ich nur bestätigen. Wie ein Symbol der Selbstlosigkeit wabert der Geist der Sebus über Wardhausen. Wer würde sich heute ins eisige Wasser stürzen, sein Leben riskieren, um andere vor dem Tod zu bewahren? Das Opfer macht nachdenklich. Das Herz sitzt schwer in der Brust.

Sie war noch so jung - die Johanna von Wardhausen.
Was wohl der Wirt von Sebusdenkmal" über Wardhausen berühmteste Bürgerin zu sagen weis? Nix, leider. Er schickt mich stattdessen ums Eck zu Alwine Lohmann. Die 84 Jährige ist Sebus-Expertin. Ich störe sie beim Mittagsschlaf. Seit 35 Jahren lebt sie hier schon. Ihre Eltern sind Vynen, genau wie Johanna Sebus Familie. Das verbindet. Sie hat ein paar Publikationen zum Thema auf Lager. „Wir lernten als Kinder alle das Gedicht", erzählt sie. Darin hat sich kein geringerer als Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe einen Reim auf das traurige Schicksal des jungen Mädchens gemacht.
Unten im Schleusenhäuschen arbeitet Rudolf Scholten. Nein, so einfach würde der Deich heute nicht mehr brechen. Der ist stabil. Er ist in den Neunzigern gerade erneuert und um 80 Zentimeter erhöht worden. Genau wie der Hügel auf dem das Denkmal steht. Damit die Relationen stimmen.
Scholten wird oft nach dem Denkmal gefragt. Vor 30 Jahren, als Kind, wurde er mit seiner Klasse selbst dorthin geschuckelt. Da hatte der Bus noch harte Holzsitze. Unbequem. Johannas Opferbereitschaft imponiert ihm sehr. „Ich weiß nicht, ob Leute das heute ohne weiteres tun würden. Meist wird nur geguckt, nach dem Motto, was geht das mich an?"
Und wie mühsam das früher ohnehin gewesen sei. Man war unbeweglicher, wegen der ganzen Klamotten. Die Frauen trugen mehrere Röcke übereinander. „Was muss die gekämpft haben."
Johannas Leiche wurde erst drei Monate später in Rindern gefunden. Der Hund des Schäfers buddelte sie aus dem Sand. Sie wurde auf dem Rindernschen Kirchhof beerdigt. Durch den Neubau des Gotteshauses liegt das Grab heute nahe der Altarstufen. Dort erinnert eine weiße Marmorplatte mit Goldschrift an das heldenhafte Mädchen. Und eine Medaille der Heimatvereine, die seinen Namen trägt, zeichnet hin und wieder Menschen aus „Für Hilfe in der Not".

   Wir am Niederrhein NRZ    
Samstag, 29. Juli 2000 Nummer 174

J.W. von Goethe
Johanna Sebus
Der Damm zerreißt, das Feld erbraust, die Fluten spülen, die Fläche saust.
„Ich trage dich, Mutter, durch die Flut, noch reicht sie nicht hoch, ich wate gut!"
„Auch uns bedenke, bedrängt wie wir sind, die Hausgenossin, drei arme Kind!
Die schwache Frau!... Du gehst davon!"
Sie trägt die Mutter durchs Wasser davon. „Zum Bühle da rettet euch!
Harret, derweil, gleich kehr ich zurück, uns allen ist Heil!
Zum Bühl ist's noch trocken und wenige Schritt'; doch nehm auch mir meine Ziege mit!"
Der Damm zerschmilzt, das Feld erbraust, die Fluten wühlen, die Fläche saust.
Sie setzt die Mutter auf sicheres Land, schön Suschen gleich wieder zur Flut gewandt.
„Wohin, wohin? Die Breite schwoll, des Wassers ist hüben und drüben voll.
Verwegen ins Tiefe willst Du hinein?" „Sie wollen und müssen gerettet sein!"
Der Damm verschwindet, die Welle braust, eine Meereswoge, sie schwankt und saust.
Schön Suschen schreitet gewohnten Steg, umströmt auch, gleitet sie nicht vom Weg,
erreicht den Bühl und die Nachbarin, doch der und den Kindern kein Gewinn.
Der Damm verschwand, ein Meer erbraust's den kleinen Hügel im Kreis. umsaust's.
Da gähnet und wirbelt der schäumende Schlund und ziehet die Frau mit den Kindern zu Grund.
Das Horn der Ziege fasst das ein', so sollten sie alle verloren sein.
Schön Suschen steht noch strack und gut, wer rettet das junge, das edelste Blut?
Schön Suschen steht noch wie ein Stern, doch alle Werber sind alle fern.
Rings um sie her ist Wasserbahn, kein Schifflein schwimmt zu ihr heran.
Noch einmal blickt sie zum Himmel hinauf, da nehmen die schmeichelnden Fluten sie auf.
Kein Damm, kein Feld! Nur hier und dort bezeichnet ein Baum, ein Turm den Ort,
bedeckt ist alles mit Wasserschwall; doch Suschens Bild schwebt überall.
Das Wasser sinkt, das Land erscheint, und überall wird schön Suschen beweint.
Und dem sei, wer's nicht singt und sagt, im Leben und Tod nicht nachgefragt!




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